Diener Gottes

Carlo Acutis


Carlo 1991 in London geboren / 1994 nach Mailand übersiedelt / 12.10.2007 stirbt an einer aggressiven Form von Leukämie

 

Carlo war ein ganz normaler, lebenslustiger Junge, der viele Freunde hatte und sich für Informatik interessierte. Aber das „Besondere“ an ihm war: Jesus, sein großer Freund.

Als Carlo noch ganz klein war hat seine Mutter Antonia bemerkt, dass wenn sie an einer Kirche vorübergingen, er sagt: „Mama, lass uns doch reingehen, um Jesus zu begrüßen und ein Gebet zu sprechen.“

Bald fiel ihr auf, dass er oft die Bibel und Heiligenlegenden las. Sie waren eine ganz normale Familie, auch nicht unbedingt die fleißigsten Kirchgänger. „Aber dieser kleine ‚Quälgeist‘ stellte mir so viele tiefe Fragen, die ich nicht beantworten konnte. Ich war völlig überrascht, dass er so fromm war. Er war so klein, aber sich doch so sicher. Mir wurde klar, dass es seine Sache war, aber auch mich anging. So begann ich, mich dem Glauben wieder anzunähern.“


Mit sieben Jahren hat Carlo die Erstkommunion empfangen dürfen. Carlo führt ein normales Leben, mit einem ganz speziellen Fixpunkt: der täglichen Heiligen Messe. Seit seiner Erstkommunion verging kein Tag, wo er nicht die Heilige Messe mitgefeiert hat. „Die Eucharistie ist meine Autobahn zum Himmel“, sagt er. „Wir haben es besser als die Apostel, die vor 2000 Jahren mit Christus gelebt haben. Wir brauchen, um Ihm zu begegnen, nur in die Kirche zu gehen. Wir haben Jerusalem vor der Haustür.“ Nach dem Gottesdienst bleibt er oft noch zur Anbetung. Er geht häufig beichten, denn so sagte er: „wie ein Ballon beim Aufsteigen Ballast abwerfen muss, so muss auch die Seele für den Aufstieg in den Himmel die kleinen Gewichte loswerden, die die lässlichen Sünden darstellen“.


Zu seiner Liebe in der Eucharistie kam noch seine Liebe zur Muttergottes. Die Madonna war seine große Vertraute und er versäumte niemals ihr zu Ehren täglich den Heiligen Rosenkranz zu beten. Ihr zu Ehren bringt er seine kleinen Opfer. "Die Jungfrau Maria ist die einzige Frau in meinem Leben" sagte er von sich.


Seine weltliche Leidenschaft ist der Computer, und er arbeitet sich immer wieder in neue Programme ein. Mit seinen Freunden spielt er auch gern PlayStation. In der Schule ist er der Freund aller, besonders derer, die es am nötigsten haben. Die Kameraden, auch die Nichtgläubigen, sind gerne mit ihm zusammen. Sie fragen ihn um Rat und bitten ihn um Hilfe. In seinem Zimmer hängt ein großes Jesusbild, jeder kann es sehen. Er lädt die Freunde ein, gemeinsam mit ihm zur Messe zu gehen und sich mit Gott zu versöhnen. In einem Heft notiert er: „Die Traurigkeit ist der Blick, den man auf sich selber richtet. Die Freude ist der Blick, den man auf Gott richtet. Die Umkehr ist nichts Anderes, als den Blick nach oben zu richten. Eine einfache Bewegung der Augen genügt.“


In seinem Viertel kennen ihn alle. Mittags füllt er übriggebliebenes Essen in Plastikdosen und bringt es den Obdachlosen in der Gegend.

Die Familie hat eine männliche Haushaltshilfe, Rajesh, Hindu und Brahmane. Zwischen ihm und Carlo wächst eine tiefe Freundschaft, die dazu führt, dass Rajesh sich bekehrt und taufen lässt. „Carlo hat mir gesagt“, erzählt Rajesh, „dass ich glücklicher wäre, wenn ich Christus näherkäme. Ich habe mich taufen lassen, weil er mich angesteckt, ja beinah umgeworfen hat, mit seinem tiefen Glauben, seiner Nächstenliebe und seinem reinen Gemüt. Ich habe ihn immer als jemanden wahrgenommen, der außerhalb der Normalität steht. Denn so ein junger, schöner und reicher Junge führt doch sonst lieber ein anderes Leben.“ Aber Carlo will kein „anderes Leben“. Er findet, Geld solle man nicht vergeuden. Mit seinen Ersparnissen kauft er einen Schlafsack für den Obdachlosen, den er immer sieht, wenn er zur Messe in Santa Maria Segreta geht. Oder er spendet sie den Kapuzinern für die Armenspeisung.


2002 fährt er mit seinen Eltern nach Rimini, wo ein befreundeter Priester einen Vortrag hält. Carlo ist fasziniert von den vielen Menschen und von den Ausstellungen, die er dort sieht. Und es kommt ihm die Idee, eine Ausstellung über die eucharistischen Wunder zu machen. Antonia Acutis erzählt: „Er war überzeugt, dass den Leuten dadurch klar würde, dass es sich bei der verwandelten Hostie und dem Wein tatsächlich um den Leib und das Blut Christi handelt. Dass dies nicht nur etwas Symbolisches ist, sondern man Christus darin wirklich begegnen kann. In dieser Zeit half er bei der Katechese in der Pfarrei, und diese Ausstellung schien ihm eine gute Möglichkeit, den Leuten das Geheimnis der Eucharistie näherzubringen.“


Als sie nach Mailand zurückgekehrt waren, machte er sich gleich ans Werk, wobei ihm Seine Informatikkenntnisse eine große Hilfe waren. Er legte eine umfangreiche Dokumentation an. Dann bat er seine Eltern, mit ihm an die verschiedenen Orte in Italien und ganz Europa zu reisen, um Fotomaterial zu sammeln. Alle möglichen Leute waren in das Projekt involviert, und er „verbrauchte“ drei Computer. Drei Jahre später war die Ausstellung fertig. Durch Mund zu Mund-Propaganda kamen Anfragen nicht nur aus den italienischen Diözesen, sondern aus der ganzen Welt. In den Sommerferien 2006 fragte Carlo seine Mutter: „Denkst du, dass ich ich Priester werden soll?“ Sie antwortete ganz einfach: „Das wirst du selber herausfinden. Gott wird es dir zu verstehen geben.“


Anfang Oktober wird Carlo krank. Zunächst sieht es wie eine normale Grippe aus. Wenige Tage später wird er in das San Gerardo-Krankenhaus in Monza eingeliefert. Es ist keine Grippe, sondern Leukämie, und zwar von der aggressivsten Variante. Als er die Schwelle des Krankenhauses überschreitet, sagt er zu seiner Mutter: „Hier komme ich nicht wieder heraus.“ Ein paar Tage zuvor hatte er seinen Eltern anvertraut: „Ich opfere die Leiden, die ich ertragen muss, dem Herrn auf für den Papst und die Kirche, damit ich nicht ins Fegefeuer muss, sondern gleich in den Himmel komme.“ "Ich sterbe gerne, denn ich habe mein Leben gelebt, ohne auch nur eine Minute an Dinge zu vergeuden, die Gott nicht gefallen." Die Leiden bleiben nicht aus. Aber der Krankenschwester, die ihn fragt, wie es ihm geht, antwortet Carlo: „Gut. Es gibt Menschen, denen es schlechter geht. Wecken Sie meine Mutter nicht, sie ist müde und würde sich nur noch mehr Sorgen machen.“ Er bittet um die Krankensalbung. Am 12. Oktober stirbt er.

 

„Unser Ziel ist die nicht die Endlichkeit, sondern die Unendlichkeit. Die Unendlichkeit ist unsere Heimat. Der Himmel erwartet uns seit jeher“. Seine Aussage: „Wir kommen alle als Originale auf die Welt, aber viele von uns sterben als Fotokopien“. Um sich nach diesem Ziel zu richten und nicht „als Fotokopie zu sterben“, sagte Carlo, dass unser Kompass das Wort Gottes sein soll, mit dem wir uns beständig auseinandersetzen müssen. Aber für ein so großes Ziel sind besondere Mittel von Nöten: die Sakramente und das Gebet. Besonders das Sakrament der Eucharistie war für Carlos Mittelpunkt seines Lebens. Er nannte es „mein Lebensweg in den Himmel”.