Alois Grozdè


„Lojze“ Grozde war unehelich geboren. Das Kind musste die Zuneigung seiner Familie missen, da die Mutter nicht an die Schande erinnert werden wollte. Als sie vier Jahre später geheiratet hatte, wurde er jedesmal, wenn er die Mutter besuchen wollte, vom Stiefvater weggeschickt. Später, als er sich als guter Schüler erwies, wurde der Stiefvater freundlicher zu ihm. Eine Tante nahm ihn auf und sorgte für ihn. Der Junge arbeitete als Hirte.

Die Schulzeit wurde für ihn zu einer befreienden Erfahrung. Er war ein ausgezeichneter Schüler. Da die Tante in Laibach in Dienst war, und mit Hilfe von Wohltätern, konnte er hier seine Schulausbildung weiterführen. Er besuchte das humanistische Gymnasium und wohnte in einem Internat („Marianum“).

Lojze entwickelte eine Leidenschaft für Bücher und offenbarte ein Talent für Poesie. 1935 fand hier ein Eucharistischer Kongress* statt, und Alois Grozdè konnte daran teilnehmen. Es war ein tief bewegendes Erlebnis. Er erkannte in der hl. Eucharistie die „Sonne meines Lebens“.

Durch Freunde kam er in Kontakt mit der Katholischen Aktion, der er sich anschloss. Er erfuhr eine tiefe Bekehrung, begann zu beten und Verantwortung zu übernehmen. Er wurde auch Mitglied und später Leiter der Marianischen Kongregation.

Gegen Ende der Schulzeit war der 2. Weltkrieg ausge­brochen. Die Lebensumstände wurden zunehmend schwieriger. Lojze wirkte apostolisch durch sein ausstrahlendes Vorbild und durch sein tiefes Gebetsleben. Er empfing täglich die hl. Kommunion, beichtete alle zwei Wochen, nahm an Exerzitien und anderen Aktivitäten teil. In ihm reifte die Berufung zum Priestertum, um Seelen zu retten. Lojze besaß auch eine tiefe Liebe zur GOTTESmutter und verehrte besonders das Unbefleckte Herz Mariens.

Inzwischen – im April 1941 – war Jugoslawien von der deutschen Wehrmacht und den mit Hitler-Deutschland verbündeten Streitkräften besetzt und unter Italien, Ungarn und Deutschland aufgeteilt worden; viele Slowenen wurden für den Dienst in der Wehrmacht zwangsrekrutiert und an die Ostfront geschickt. Eine große Anzahl entzog sich dadurch, dass sie sich den kommunistischen Partisanengruppen anschlossen, die sich unter Führung Titos bildeten. Diese gingen jedoch nicht nur gegen die Besatzer und gegen Kollaborateure mit den Deutschen bzw. Italienern vor, sondern auch gegen die katholische Kirche.

Da er wegen der unruhigen Lage in seiner Heimatregion Dolenjska (Unterkrain) und den Reiseschwierigkeiten in den Sommerferien 1942 nicht hatte nach Hause fahren können, entschied er sich zum Jahresende 1942/43 dafür, seine Verwandten zu besuchen, und bat um Reiseerlaubnis. Er suchte zunächst einen Freund im Dorf Struge auf.

Am 27. Dezember 1942 beichtete er, besuchte am Herz-JESU-Freitag, 1. Januar, die hl. Messe im Zisterzienserkloster von Stična (Sittich) und empfing zum letzten Mal die heilige Kommunion. Dann fuhr er mit dem Zug von Ivančna gorica nach Trebnje (dt.: Treffen). Weil die Bahn­gleise zerstört waren, entschied er sich, zu Fuß nach Mirna zu gehen – ein Weg von rund 7 km –; unterwegs konnte er sich auf einen Wagen setzen. Beim ersten Haus von Mirna musste er den Wagen verlassen, weil Partisanen ihn festnahmen und verhörten. Sie fanden bei ihm ein lateinisches Missale, die „Nachfolge CHRISTI“ des Thomas von Kempen und ein Buch über Unsere Liebe Frau von Fatima.

Er wurde in ein nahegelegenes Gasthaus gebracht und weiter verhört. Alois Grozdè wurde verdächtigt, ein feindlicher Spion zu sein. Die Kommunisten erkannten, dass der junge Mann Katholik war und eine religiöse und geistige Einstellung hatte, die sie hassten und bekämpften. Er wurde die ganze Nacht gefoltert bis zum Tod. - Erst wenige Stunden vor der Gefangennahme Grozdès war ein katho­lischer Seminarist, der Verwandte in der Nähe besuchen wollte, aus demselben Grund hier erschossen worden.

Offensichtlich – wie die späteren Nachforschungen ergaben - verhörte man den jungen Katholiken zunächst in zwei Gasthäusern, entkleidete und schlug ihn und folterte ihn schließlich in einem dritten Raum grausam. Nach den Wunden des Leichnams waren ein Ohr ganz, das andere teilweise abgeschnitten, die Augen zerstört und die Zunge herausgeschnitten worden; auch an Beinen und den Zehen waren Verwundungen und an den Händen Spuren der Fesselung zu sehen.

Die schrecklichen Folterungen hätten wohl noch länger gedauert, wenn die Partisanentruppe nicht den Befehl bekommen hätte, sich zu einem anderen Ort zu begeben, wo es Kämpfe gab. So schleppten oder trieben sie Lojze in den Wald, etwa fünfzehn Gehminuten weit, töteten ihn offensichtlich dort mit einem Schlag einer Hacke oder ähnlichem in den Kopf und ließen den Leichnam liegen.

Bald verbreitete sich das Gerücht von der Grausamkeit, mit dem die Partisanen, die Mirna besetzt, das Neue Jahr begonnen hatten, doch konnte lange Zeit nichts über den Verbleib Lojzes in Erfahrung gebracht werden.

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Am 23. Februar 1943 erst fanden Schulkinder, die Schneeglöckchen pflückten, seine Leiche im Wald, eine Viertel­stunde von Mirna entfernt, am Bach Vejeršca, und legten Schneeglöckchen dort nieder. Der weitgehend bekleidete Leichnam zeigte die erwähnten Spuren der Folter, war aber überhaupt nicht verwest, obgleich er schon sieben Wochen im Freien lag und die Temperatur bis 7 Grad über Null betrug. Er wurde in das nahegelegene Šentrupert gebracht, wo zehn Augenzeugen ein Protokoll von dem grausigen Fund anfertigten, und dann auf dem örtlichen Friedhof beerdigt. Ihn in die Heimatpfarrei Tržišce zu bringen, war unter den Zeitumständen nicht möglich. Die Nachrichten von der grausamen Folter und dem Tod des unschuldigen Studenten verbreiteten unter den Menschen Angst und entsetzten die Studenten in Laibach.

Über dieses Geschehen berichtete Prälat Prof. Dr. Anton Strlè (1915-2003), der seinerzeit Studienpräfekt im Marianum in Laibach war und den jungen verheißungsvollen Studenten Lojze Grozdè sehr gut kannte, 1944 in einem Buch. (Dafür kam er 1947 für fünf Jahre ins Gefängnis und erhielt anschließend noch drei Jahre seine Staatsbürgerrechte aberkannt.) Dr. Strlé zitiert zu der von den Partisanen im Schnee liegengelassenen blutigen Leiche ein Gedicht, das Lojze als Sechzehnjähriger geschrieben hatte: „Junger Morgen, rein und weiß… Und das Blut hat die Erde bedeckt, die weißen Felder gerötet.“

Schon bald wurde er bei den Katholiken Sloweniens als Märtyrer verehrt, doch erst fast 50 Jahre nach seinem Tod konnte der Seligsprechungsprozess durch den Erzbischof von Ljubljana eingeleitet werden.

Von Seiten der heutigen Nachfolger des Kommunismus kam Kritik an der Seligsprechung, indem die Behauptung, er sei ein faschistischer Spion gewesen, weiter vertreten wurde. Ein Partisanenanführer erklärte laut einem Zeitungsartikel vom Mai 2010, für die Partisanen sei Grozdè ein Kurier der „Weißen Garde“ gewesen und darum zum Tod verurteilt worden. Die Folter sei eine Erfindung, die Verstümmelungen kämen durch Tierfraß. Das Seligsprechungsverfahren hat aber klar erwiesen, dass er sein Leben wegen seiner Treue zum katholischen Glauben verlor. Im März 2010 unterzeichnete Papst Benedikt XVI. das Dekret über sein Martyrium: getötet aus Glaubenshass am 1.1.1943.